Kleinunternehmerregelung

Die Kleinunternehmerregelung – viel wurde bereits über sie geschrieben, vielen wurde diese empfohlen. Aber was genau besagt diese Regelung und wer kann sie in Anspruch nehmen?

Die Voraussetzungen

Um überhaupt die Kleinunternehmerregelung in Betracht ziehen zu können, müssen diverse Voraussetzungen erfüllt werden.

Das Finanzamt muss generell der Einstufung als Kleinunternehmer zustimmen. Diese Zustimmung erfolgt aber nur, wenn die umsatzsteuerpflichtigen Betriebseinnahmen laut § 19 UStG die folgenden Höchstgrenzen nicht überschreiten:

Im vorherigen Kalenderjahr darf der Umsatz nicht höher als 17.500 Euro liegen

Im aktuellen Kalenderjahr wird voraussichtlich der Umsatz nicht höher als 50.000 Euro liegen

Es ist zu beachten, dass beide Voraussetzungen erfüllt sein müssen um die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen zu können.

Des Weiteren handelt es sich bei den angegeben Größen um Umsatzgrenzen. Das bedeutet, dass der gesamte Umsatz zur Ermittlung der Höhe herangezogen wird und nicht nur der Gewinn, den der Kleinunternehmer generiert. Der Gewinn würde für gewöhnlich geringer ausfallen, weil die Einnahmen noch um die Höhe der Ausgaben vermindert werden.

Für das Gründungsjahr eines Gewerbes oder eines forst- oder landwirtschaftlichen Betriebs als auch die Aufnahme einer neuen selbstständigen Tätigkeit gilt eine gesonderte Regelung. Da es kein vorangegangenes Jahr gibt, welches zur Bestimmung der Umsatzhöchstgrenze herangezogen werden kann, darf der voraussichtliche Umsatz geschätzt werden. Dieser sollte aber aller Wahrscheinlichkeit nach die Grenze von 17.500 Euro nicht übersteigen.

Selbstverständlich gelten auch hier Sonderregelungen.

  1. Sonderfall: Falls die Gründung nicht in den Januar des Gründungsjahres fällt, sondern später muss der geschätzte tatsächliche Umsatz monatsgenau hochgerechnet werden auf das ganze Jahr. Dabei werden angefangene Monate vollständig berücksichtigt. Ein Beispiel: Wird das Kleinunternehmen am 15. Mai gestartet beträgt die Umsatzgrenze 11.667 Euro, da der Kleinunternehmer nur 8 statt 12 Monate seiner Tätigkeit nachgeht. Ist nun abzusehen, dass in diesen 8 Monaten mehr Umsatz erzielt wird, kann die Kleinunternehmer-Regelung nicht in Anspruch genommen werden.
  2. Sonderfall: Mehrere umsatzsteuerpflichtige Einnahmen

Generell spricht nichts dagegen, wenn jemand mehrere Unternehmen betreibt oder mehreren selbstständigen Tätigkeiten nachgeht. Allerdings hat das durchaus Auswirkungen auf die Kleinunternehmer-Regelung.

Es ist nicht möglich mehrere Kleinunternehmen zu unterhalten, die jeweils für sich, die Kleinunternehmen-Regelung beanspruchen. Diese Regelung ist an eine Person gekoppelt. Das bedeutet, dass sämtliche Umsätze zusammengenommen werden und sie Umsatzgrenzen nicht übersteigen dürfen.

  1. Sonderfall: Umsatzsteuerfreie Einnahmen

Zahlreiche Personen sind der Ansicht, dass die Einnahmen von Kleinunternehmern umsatzsteuerfrei sind. Dies ist allerdings eine inkorrekte Meinung. Die Umsatzsteuer wird aufgrund der Vereinfachung der Verwaltungsaufgaben lediglich nicht erhoben.

Diese Spitzfindigkeit ist für die meisten Kleinunternehmer unerheblich. Aber für manche Konstellationen kann dieser Unterschied eine große Wirkung haben.

Denn tatsächliche umsatzsteuerfreie Leistungen wie beispielsweise ärztliche Heilbehandlungen, Vermietung und Verpachtung von Grundstücken oder Leistungen von Versicherungsmaklern. Die genaue Auflistung kann im § 4 Nr. 11 bis 28 UStG nachgelesen werden.

Ein Beispiel: Eine Versicherungsmaklerin strickt neben ihrem Hauptberuf Socken und verkauft diese über einen kleinen Onlineshop. Dann kann sie den Verkauf der Socken unter Berücksichtigung der Kleinunternehmer-Regelung betreiben. Die Leistungen als Versicherungsmaklerin werden nicht berücksichtigt. Läge der Fall anders dürften beide Tätigkeiten zusammen die Umsatzgrenzen der Kleinunternehmer-Regelung nicht überschreiten.

Welche Leistungen und Waren tatsächlich von der Umsatzsteuer befreit sind, kann ein Steuerberater klären. Eine eigenmächtige Entscheidung kann nachteilige Konsequenzen nach sich ziehen.

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Vorteile der Kleinunternehmer-Regelung

Die Kleinunternehmer-Regelung weist zahlreiche Vorteile auf.

  • Für alle Nutzer bietet sich eine komfortable Vereinfachung. Der Kleinunternehmer muss nicht zwischen brutto und netto unterscheiden, eine Umsatzsteuervoranmeldung entfällt gänzlich und die Umsatzsteuererklärung erfolgt oftmals nur anhand der Eintragung zweier Zahlen.
  • Dienstleistungen können von Kleinunternehmern oftmals viel günstiger angeboten werden als von Unternehmen, welche der Regelbesteuerung Folge leisten müssen. Denn jedes Unternehmen, welche der Regelbesteuerung unterliegt, rechnet auf den Endpreis die Umsatzsteuer drauf. Der Kleinunternehmer hat mit diesem Vorgang nichts zu schaffen.

Nachteile der Kleinunternehmerregelung

Wie jede Medaille hat auch die Kleinunternehmen-Regelung ihre zwei Seiten. Obwohl die Vorteile durchaus für sich sprechen, existieren ebenso Nachteile.

  • Entwickelt sich das Unternehmen gut, wird es früher oder später zu einer Regelbesteuerung kommen. Die Preis-Vorteile, die an die Kunden weitergegeben werden konnten entfallen dann. Als Folge müssen Preiserhöhungen vorgenommen werden. Dies kann zu einem Gewinneinbruch führen.
  • Obwohl die Kleinunternehmer-Regelung nun schon seit Jahren ein fester Bestandteil der Wirtschaft ist, erweckt ein Kleinunternehmer oftmals den Eindruck kein Profi zu sein aufgrund der fehlenden Angabe der Umsatzsteuer. Dieser Fehleindruck stellt sich vor allem häufig im Firmenkunden-Geschäft ein.
  • Da der Kleinunternehmer nicht berechtigt ist die Vorsteuer abzuziehen, kann sich dieses negativ auf die Liquidität auswirken. Insbesondere in der Gründungs- und Startphase kann sich dieser Umstand deutlich bemerkbar machen, da oftmals Investitionen fällig werden.

Sollte man die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen?

Pauschal lässt sich keine Empfehlung aussprechen. Letztendlich muss das jeder Unternehmer, Existenzgründer, Freiberufler usw. für sich selber entscheiden.

Letztendlich kommt es auf die Umstände an. Wieviel Umsatz wird generiert? Lohnt sich der Preisvorteil, den man an die Kunden weitergeben kann oder ist abzusehen, dass man irgendwann unter die Regelbesteuerung fällt?

Eine optimale Beratung kann beispielsweise ein Steuerberater bieten.

Status „Kleinunternehmer“

Für gewöhnlich wird mittels dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ die Entscheidung für oder wider der Kleinunternehmer-Regelung erfasst.

Sofern das Formular über das Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung heruntergeladen wird, steht dem Unternehmer auch eine ausführliche Ausfüllhilfe zur Verfügung.

Ansonsten ist die Seite 6 mit den Formularfeldern 154, 156 und 157 entscheidend.

Feld 154 ist für die Eintragung der geschätzten Höhe der Umsätze sowohl für das laufende Jahr (der Betriebsgründung) und des Folgejahres.

Feld Nummer 156 fällt die Entscheidung für oder wider der Kleinunternehmerregelung. Wenn der Betrieb nach dieser geführt werden soll, muss hier ein Häkchen gesetzt werden.

Entscheidet sich der Kleinunternehmer gegen die Regelung muss ein Häkchen in Feld Nummer 157 erfolgen.

Es ist zu beachten, dass die Entscheidung gegen die Kleinunternehmer-Regelung für 5 Jahre bindend ist.

Kleinunternehmerregelung: Überschreitung der Umsatzgrenzen

Sollten die tatsächlichen Umsätze wider den Erwartungen höher liegen, hat das zwar Konsequenzen, aber rückwirkend keine nachteiligen.

Im Gründungsjahr darf der Umsatz nicht mehr als 17.500 Euro betragen. Sollte man dennoch darüber hinaus kommen, werden für das abgelaufene Kalenderjahr aber keine Strafen fällig. Allerdings wird der Kleinunternehmer im darauffolgenden Jahr automatisch zur Regelbesteuerung herangezogen – auch wenn der zu erwartenden Umsatz mit Sicherheit unter 17.500 Euro liegen wird.

Ebenso verhält es sich, wenn man auch im Kalenderjahr unter 17.500 Euro liegt, im nächsten aber darüber. So erfolgt die Regelbesteuerung ab dem abgelaufenen Kalenderjahr in dem der Unternehmer die 17.500 Euro bzw. 50.000 Euro Umsatz-Grenze überschritten hat. Diese Änderung der Besteuerung tritt auch ein, wenn kein weiterer Übertritt der Grenze für das folgende Jahr zu erwarten ist.

Der Wechsel

Der Kleinunternehmer wird vom Finanzamt für gewöhnlich nicht über den Wechsel von der Kleinunternehmer-Regelung zur Regelbesteuerung informiert. Hier muss der Unternehmer seine Umsätze selber im Auge behalten.

Daher sollte der genaue Vorjahresumsatz bekannt sein, bevor der Unternehmer im neuen Jahr die erste Rechnung ausstellt.

Es ist zu beachten: Wer weiterhin nach der Kleinunternehmer-Regelung die Rechnungen ausstellt, obwohl die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind, schuldet dem Finanzamt die Umsatzsteuer. Dabei ist es unerheblich, ob diese ausgewiesen wurden oder nicht.

Wer also „falsche“ Rechnungen verschickt hat doppelte Arbeit oder sogar das Nachsehen. Rechnungen an andere Unternehmen können korrigiert werden. Allerdings können Rechnungen, die Privatkunden gestellt wurden, nicht nachträglich korrigiert werden.

Rückkehr zur Kleinunternehmer-Regelung?

Eine Rückkehr ist möglich. Wer in einem Kalenderjahr weniger als 17.500 Euro Umsatz inkl. Umsatzsteuer vorweisen kann und auch im Folgejahr nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz zu erwarten sind, der kann beim Finanzamt abermals die Kleinunternehmer-Regelung beantragen.

Allerdings bedeutet der freiwillige Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung, dass man an die Regelbesteuerung 5 Jahre gebunden ist.

Unternehmer, die schwankende Umsätze generieren, ist ein wiederholter Wechsel möglich.